Bundesgartenschau 2015

Koblenz/Brandburg (29.5.2015). Bekanntlich gilt die Koblenzer Bundesgartenschau 2011 als großer Erfolg. Dafür gibt es gute Gründe: Zum einen wurde mit rund 3,5 Millionen Besuchen eine fast doppelt so hohe Gästezahl erreicht, als ursprünglich erwartet, zum anderen wurden die reinen Betriebskosten wieder eingespielt - am Ende blieb sogar ein Plus. Das wichtigste Ergebnis ist jedoch die Tatsache, dass infolge der immensen Investitionen das Stadtbild erheblich aufgewertet wurde. Auch waren und sind etliche private Folgeinvestitionen ausgelöst worden. Und: Übernachtungszahlen und Tagesbesuche haben seitdem deutlich zugenommen.

 

Die guten Erfahrungen in Koblenz waren für die Macher der Bundesgartenschau in der Havelregion, die noch bis zum 11. Oktober zu sehen ist, ein Ansporn. Denn es ist kein Geheimnis, dass das Phänomen Buga in manchen Medien gern als Instrument gesehen wird, Geld zu verbrennen. Die Tatsache, dass die Internationale Gartenschau in Hamburg von 2013 nicht den erhofften Erfolg brachte, befeuerte die Kritiken. Aus meiner Sicht völlig zu Unrecht. Denn die positiven Auswirkungen auf die Austragungsorte wird besonders in den überregionalen Medien gerne unterschätzt, Bugas werden gerne als nicht mehr zeitgemäße Seniorenveranstaltungen abgewertet.

 

Wie die Buga in der Havelregion, die die Verantwortlichen als erste Landschaftsgartenschau vermarkten, ausgehen wird, ist noch ungewiss. Fest steht nur, dass am 19. Mai bislang rund 250.000 Besucher gezählt wurden - ein guter Start. Das Ziel von insgesamt 1,75 Millionen Besuchern dürfte erreicht werden, wenn der Sommer nicht komplett ins Wasser fällt. Für mich steht schon jetzt fest: Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, das Havelland ist eine schöne Ferienregion - und Abwechslung ist garantiert, weil Potsdam und Berlin nicht weit sind. Dazu kommt die Tatsache, dass sich die Planer zwar gründlich in Koblenz und anderen Buga-Städten informiert haben, aber etwas völlig Neues auf die Beine gestellt haben. Eine solche Schau an fünf Standorten in zwei Bundesländern (Brandenburg und Sachsen-Anhalt) aufzuziehen, zeugt von der grundsätzliche Bereitschaft, über den eigenen Kirchturm hinauszublicken und eine Region gemeinsam zu vermarkten.

 

Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow, Amt Rhinow/Stölln und die Hansestadt Havelberg sind Standorte der Bundesgartenschau 2015. Ein Besuch lässt sich anders als in Koblenz nicht in kompakter Form bewältigen, Besucher sollten mindestens zwei bis drei Tage einplanen. Das wissen auch die Planer. Und so gilt eine Eintrittskarte für alle Flächen.

 

Richtig unter die Lupe nehmen konnte ich nur die Buga in Brandenburg, dazu kam eine Stippvisite der Flächen in Rathenow und Havelberg. Doch trotz meiner kurzen Anwesenheit erkannte ich sehr schnell die Vorzüge der Schau. Hier wirken unterschiedliche Konzepte. Während in Brandenburg und Havelberg die Buga in weiten Teilen in der Stadt liegt, hat man zum Beispiel in Rthenow Brachflächen am Rande der Innenstadt erschlossen.

 

Ausführliche Besucherinformationen rund um die Bundesgartenschau in der Havelregion gibt es unter Buga 2015

Mit Investitionen von rund 75 Millionen Euro war die Buga 2015 relativ preiswert zu haben. Gespart wurde auch durch originelle Lösungen. So wurde die St. Johanniskirche in eine Blumenhalle (Hier beim Umbau der Ausstellung) verwandelt.

Buga im Havelland ist schlank aufgestellt

 

Einen sehr aufschlussreichen Online-Beitrag über die Vorgeschichte der Buga 2015 liefern die Potsdamer Neuesten Nachrichten mit dem Titel Aus Potsdamer Fehlern gelernt. Daraus wird ersichtlich, dass die Investitionen im Vergleich zu anderen Gartenschauen eine Höhe von insgesamt rund 75 Millionen Euro erreichten. Das ist, obwohl der ursprüngliche Kostenansatz überschritten wurde, deutlich weniger als in Koblenz. Zur Erinnerung: Hier lag das Gesamtbudget bei rund 102 Millionen Euro.

 

Auch die Organisation der Buga unterscheidet sich vom Koblenzer Modell: Wurde seinerseits für die Schau an Rhein und Mosel eine eigene GmbH gegründet, agieren an der Buga 2015 beteiligten Kommunen im Rahmen eines Zweckverbandes - ein beliebte Konstruktion, wenn es um die interkommunale Zusammenarbeit geht.

Auf dem Marienberg wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein Wein angebaut. Die Buga 2015 erinnert an diese vergessene Tradition.

Pragmatiker am Werk 

 

Auch wenn viele ihren Buga-Besuch in Rathenow beginnen, empfiehlt sich aus meiner Sicht eher ein Start in Brandenburg. Denn hier ist der vernünftige planerische Grundsatz "es wurde gemacht, was ohnehin gemacht werden musste" sofort zu erkennen. So ist die Sanierung ein zentrales Thema der Schau der traditionsreichen Stadt, die sich nach der Wände wie so viele andere Kommunen in den neuen Bundesländern deutlich zum Positiven verändert hat.

 

Das Leitmotiv "25 Jahre Stadtsanierung" wurde kurzerhand in die Buga integriert, eine Ausstellung erinnert an Auf- und Umbauleistungen sowie die kommenden Herausforderungen. Und mit dem Gebäudebestand, der noch nicht saniert werden konnte, gehen die Planer souverän um. "In Arbeit" heißt es da nüchtern auf den Transparenten, die über marode Fassaden gespannt wurden. Das soll allen zeigen: Eine Bundesgartenschau muss nicht unbedingt das Ende einer Entwicklung markieren, sondern kann auch eine Scharnierfunktion übernehmen.

 

Die Notwendigkeit, die Mittel äußerst sparsam einzusetzen, kann die Kreativität beflügeln. Das zeigt gerade das Beispiel Brandenburgs. So wurde die sanierungsbedürftige Johanniskirche kurzerhand in eine Blumenhalle mit modernen Entree verwandelt. Eine solche Lösung, die es übrigens auch in Havelberg gibt, hebt die Buga im Havelland von anderen Gartenschauen ab, in denen zum Teil mobile Blumenhallen eingesetzt werden.

 

Ein anderes Beispiel für den Pragmatismus der Planer zeigte sich am Marienberg, dem größten der Buga-Areale der Stadt Brandenburg. Hier holten die Planer kurzerhand den örtlichen Wasserversorger mit ins Boot,  und der örtliche Hochbehälter verwandelte sich in einen Weinberg, der an die alte Weinbautradition in Brandenburg, die durch die wirtschaftlichen und klimatischen Veränderungen im 18. und 19. Jahrhundert vernichtet wurde.  Die Planer benutzen solche Inszenierungen auch, um Geschichte zu vermitteln. Und so gibt es auf dem Marienberg auch einen optischen Telegrafen, mit dem die Preußen im frühen 19. Jahrhundert den Informationsaustausch zwischen Berlin und Koblenz beschleunigten. Die Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass kleine, originelle Projekte oft sinnvoller sind als teure Inszenierungen. Das gilt übrigens auch für die Buga-Fähren, die einfach umlackiert wurden. Denn Boots- und Schiffstouren gehörten schon immer zu den Markenzeichen der Havel-Region. Da braucht man nichts neu zu erfinden.

Sogar das "Grüne Klassenzimmer" der Buga wurde auf einem kleinen Schiff untergebracht.

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