Die Deutschland-Tour

Meine Radtour führte über insgesamt 1580 Kilometer und folgende Bundesländer: Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Das Prinzip: Entlang der Flüsse radeln und dabei möglichst viel sehen. An Rhein, Main, Fränkischer Saale, Werra, Ilm, Saale und Elbe entlang ging es nach Cuxhaven an der Nordsee. Trotz dieser Strategie waren einige Steigungen zu bewältigen.

 

Mein Motiv: Es liegt ja heute im Trend, das eigene Land schlecht zu reden - und da schadet es nicht, sich das Ganze selbst anzuschauen. Mein Fazit: Auch wenn das Wetter nicht immer stimmt, lohnt es sich, Urlaub im Heimatland zu machen. Und die Menschen? Sie sind freundlich und hilfsbereit. Mehr dazu in den kleinen Tagesberichten.

 

Mein größter Ärger: Ausschließlich über mich selbst. Denn aus Sicherheits- und Transportgründen habe ich meine Kamera zu Hause gelassen und mich auf mein Smartphone verlassen. Ich dachte, für Standardfotos reicht das. Ein Irrtum. Deswegen die zum Teil schlechte Bild- und Farbqualität. Aber ein schlechtes Foto ist oft besser als gar kein Foto - angesichts der zahlreichen landschaftlichen und städtebaulichen Schönheiten auf der Strecke gilt dieser Grundsatz ganz besonders.

 

Der Anspruch: Da ich allein unterwegs war, hatte ich wenig Lust auf Zelt- und Lagerfeuerromantik. Auch bin ich inzwischen in einem Alter, in dem ich den Vorzug von Mittelklassehotels und ein gutes Abendessen zu schätzen weiß. Das machte die Tour nicht unbedingt preiswert. Für all diejenigen, die es nachmachen wollen: 80 bis 100 Euro pro Tag sollte man schon einplanen. Wer nicht allein unterwegs ist, kommt natürlich pro Kopf etwas preiswerter weg. Und wer richtig sparen möchte - Zeltplätze und Jugendherbergen gibt es an vielen Stationen der Tour.

 

Die Planung: Ich habe die Strecke nur grob festgelegt, die Distanzen hingen natürlich von der Tagesform ab. Aus meiner Sicht hat es wenig Sinn, alles minutiös zu planen und vorzubestellen. Dann setzt man sich unter Leistungs- und Termindruck. Ich gebe gern zu, dass sich dieses Vorgehen nicht für die Hauptsaison eignet. Ein dickes Lob haben alle Hoteliers und Gastronomen an meinen Übernachtungsstationen verdient. Es gab Einzelzimmer oder Doppelzimmer zur Alleinnutzung - und immer ohne Aufschlag. Ich habe zwischen 38 und 65 Euro inklusive Frühstück bezahlt.

 

Die Vorbereitung: Man muss kein Sportler sein, um 100-Kilometer-Etappen zu stemmen. Diejenigen, die im Alltag das Rad als Fortbewegungsmittel nutzen, kommen eigentlich gut durch. Ich habe jedoch gemerkt, dass die Einheiten im Fitnessstudio nicht geschadet haben.

 

Das Material: Auch wenn ein Großteil der Etappen über asphaltierte Strecken führte, wird das Material doch stark beansprucht. Waldwege, Schotterpisten und sehr grobes Kopfsteinpflaster gehörten zum Alltag. Da man auch einiges geladen hat, wird man mit einem preiswerten Fahrrad keine Freude haben. Dass dies leider heute so ist, habe ich bereits auf meiner Ostseeradtour 2012 erfahren müssen. Da war ich mit einem Sonderangebot unterwegs - und entsprechend oft in der Werkstatt. Ideal ist ein Treckingrad mit verstärkten Felgen und Speichen. Und das ist heute leider kaum noch unter 1000 Euro zu bekommen. Am Ende zahlt es sich aber aus: Ich hatte auf der gesamten Strecke nicht eine einzige Panne.

 

Die Bekleidung: Da ist natürlich vieles Geschmacks- und Erfahrungssache. Weil ich mir unterwegs einiges anschauen und auch ins Restaurant gehen wollte, kam es für mich nicht infrage, wie ein rasierter Rennfrosch mit Wespenbrille auszusehen. Wasserabweisende Wanderbekleidung mit Klimafasern tut es aus. Ganz wasserdicht "eingepackt" zu sein, empfiehlt sich aus meiner Sicht nicht. Dann schwitzt man zu stark. Wichtiger ist, dass die Sachen schnell wieder trocken sind. Ganz wichtig: Fahrradfahrer-Unterhosen sind unerlässlich. Die müssen nicht teuer sein. Am dicksten gepolstert ist die von Carver und kostete 17,90 Euro. Markenprodukte kosten bis an die 50 Euro, das muss nicht sein.

 

Die Navigation: Das ist ein Reizthema. Bei meinen früheren Radreisen, die mich unter anderem bis nach Frankreich, in die Tschechische Republik, Österreich und Ungarn führten, hatte ich Straßenkarten im Gepäck und habe mich dann lokal an der Radfahrerbeschilderung orientiert. In Zeiten von Fahrrad-Navigationsgeräten und Smartphones kann man es sich natürlich einfacher machen. Doch entsprechen die vorgeschlagenen Routen nicht immer dem Idealzustand. Ich hatte dieses Mal dennoch ein preiswertes Navigationsgerät am Rad - das Garmin Edge (um die 180 Euro). Das habe ich allerdings vor allem zum Aufzeichnen der Strecken verwendet. Mit zwei Ausnahmen: die Verbindung zwischen Quelle der Fränkischen Saale und dem Ilmtal und meine Tour durch Hamburg. In beiden Fällen wurde ich - abgesehen von Kleinigkeiten - recht gut geleitet. Dass man 60 Kilometer komplett auf Radwegen durch Hamburg fahren kann, hätte ich als Ortsunkundiger auf konventionellem Weg auf keinen Fall so hinbekommen.

 

Die Kilometerzählung: Sie orientierte sich an meinem Fahrradtacho. Im Vergleich zum Navigationsgerät ergibt sich eine Abweichung von 3 bis 4 Kilometern auf 100 Kilometer. Das liegt vor allem daran, dass das Navi nach einem Stopp einige Zeit braucht, bis es wieder aufzeichnet. Daraus ergeben sich Unterschiede in der Berechnung der Fahrzeiten, was zu den Differenzen führt. Außerdem habe ich das Navi auf der Suche nach der passenden Unterkunft oder kleinen Stadtrunfahrten ausgestellt. Die Navi-Distanzen werden dennoch in Klammern angegeben.

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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018