7. Etappe: Weimar - Bad Dürrenberg 104 (100) Km

Die Etappe begann gemütlich. Der Stopp in Mellingen hatte den Vorteil, dass man nicht lange nach dem Anschluss zum Ilmtal-Radweg suchen brauchte. Und man erlebte Weimar einmal von einer anderen Seite. Ich habe die Stadt schon oft besucht, deshalb ging es dieses Mal nicht um Goethe und Schiller, die Innenstadt oder das Bauhaus. Ich erlebte die Kulturstadt dieses Mal von ihrer grünen Seite. Malerische Flusslandschaften und Parks in der Stadt und Umgebung - man denke nur an das Schloss Belvedere des Herzogs Ernst August samt des großen Schlossparks - stehen für einen hohen Freizeit- und Erholungswert von Weimar.

Das Ilmtal 5 Kilometer vor Weimar.

Und weiter ging es um Finale des Ilmtal-Radwegs. Und da kommt man um einen Stopp in Apolda nicht herum, das als Stadt der Glockengießer einen überragenden Ruf hatte. Heute ist eher die - auch mit EU-Geldern - herausgeputzte Altstadt das Markenzeichen. Doch nur einige Straßen weiter erkennt man die Probleme, die sich in den neuen Bundesländern vielerorts wiederholen. Ganze Straßenzeilen stehen leer, viele Bürger sind abgewandert, weil sie in den alten Bundesländern ihre berufliche Zukunft sahen - und auch fanden. Und so fällt die große Zahl der fast unbewohnten, sanierungsbedürftigen gründerzeitlichen Gebäude auf. Apolda zeigt besonders drastisch: Seit der Wende ist zwar sehr viel Positives geschehen, aber vom Tourismus allein lässt sich kein Wandel dauerhaft mit Erfolg gestalten.

Die Altstadt von Apolda.

Die Tour führte mich weiter nach Camburg, wo der wohl interessanteste und schönste Teil meiner Tour begann: die Fahrt durch das Saaletal, die immer noch zu den Klassikern gehört. Bei Camberg, wo die Ilm in die Saale fließt, beginnt der leichte Teil des Saaleradwegs, auf dem man gut und ohne sonderlich große Anstrengungen vorankommt.

 

Wer den ganzen Saaleradweg als eigene Tour fahren möchte, kann sich im Internet unter Saaleradweg informieren. Kleine Warnung: Der Saaleradweg ist gerade im oberen Teil nicht ohne und hat zahlreiche Steigungen. Aber die waren, anders an der Werra, nicht mein Thema.

 

An meinem ersten Tag an der Saale warteten zahlreiche Klassiker auf mich, die gerne in alten Studentenliedern besungen werden: Saaleck und Rudelbsburg zum Beispiel. Da passte es gut, dass ich in der Peripherie des bekannten Kurortes Bad Kösen in der Gaststätte Fischhaus Schulpforte landete. Sangesfreudige Gäste schmetterten Volkslieder und mehr - und ich dachte mir: Fein, an der Saale pflegt man noch Traditionen. Dann stellte sich aber heraus, dass die gut gelaunten Gäste einem Spielmannszug aus Bad Hönningen angehörten. So kann man sich täuschen ...

Der Ort Saaleck.
In alten Studentenliedern gern besungen: Die Burgen Saaleck (rechts) und Rudelsburg.
Bad Kösen - ein grüner Kurort.

Je länger ich durch das Saaletal radelte, desto besser gefiel es mir dort. Abwechslungsreiche Landschaften, viele Baudenkmäler und ein hoher Freizeitwert sind gute Argumente, dort auch länger Urlaub zu machen. Außerdem bietet das Saaletal Möglichkeiten zum Wassersport - und an diesem schönen Tag zeigte sich, dass viele Menschen eben diese Möglichkeit nutzen.

Blühendes Rapsfeld vor Naumburg.

Trotz der überschaubaren Herausforderungen entschied ich, im Bereich der 100-Kilometer-Marke zu bleiben - und landete deshalb in der Peripherie von Bad Dürrenberg, was mir eine etwas exotische Bleibe bescherte. Da Ganze nannte sich "Gasthaus im Grünen". Am ersten Abend nach dem Vatertag war ich der einzige Gast. Abendessen und Getränke zum Spottpreis, und eine Übernachtungsmöglichkeit hatten sie auch - allerdings auf Jugendherbergsniveau, dafür aber zum Spottpreis von 20 Euro für ein allein nutzbares Dreibettzimmer mit TV und Kühlschrank (allerdings WC und Dusche auf dem Flur). Touristen gab es dort nicht, wohl aber Montagearbeiter, die auf preiswerte Unterkünfte angewiesen sind.

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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018