8. Etappe: Bad Dürrenberg - Bernburg 104 (101) Km

Bad Dürrenberg hat derzeit keinen Status als Kurstadt, die Verwaltung kämpft aber darum, die frühere Anerkennung zurüclkzuerhalten. Die Infrastruktur ist auf jeden Fall vorhanden.

Die äußerst preiswerte Übernachtungsmöglichkeit in Bad Dürrenberg hatte einen kleinen Nachteil: Es gab kein Frühstück. Und so fuhr ich erst einmal in die Stadtmitte, um eine Bäckerei zu suchen - und zu finden. Dort war bereits gegen 9.45 Uhr alles ausverkauft. Ich ergatterte noch einen Kaffee und die letzten beiden Teilchen. Das erinnerte mich fast an meine DDR-Reisen in den 80er-Jahren. Nach dem ersten Bissen merkte ich jedoch, dass es sich hier nicht um Mangelwirtschaft handelte. Die Teilchen hatten eine Qualität, die man in den von Filialisten dominierten Städten im Westen nicht mehr antrifft. Kein Wunder, dass da alles so früh weg war!

 

Es blieb noch etwas Zeit, sich in Bad Dürrenberg umzuschauen. Die dortige Verwaltung kämpft derzeit darum, den verlorenen Status als Kurort zurückzuerhalten. Und so wird das gewaltige Gradierwerk (siehe Foto), das mit einer Gesamtlänge von 700 Metern das größte seiner Art in Europa ist, gewissermaßen zum Symbol für den Neuanfang.

 

In der Tat müssen sich viele Städte und Gemeinden in Sachsen-Anhalt neu positionieren. Das gilt besonders für Bad Dürrenberg. Die Stadt ist nach eigenen Angaben zwar ein beliebter Wohnstandort, doch das dürfte auf Dauer nicht ausreichen - das nahe gelegene Leuna, das vor der Wende ein Zentrum der DDR-Wirtschaft war, hat seine einstige Bedeutung verloren. Das eröffnet aber auch Chancen. Die Luftqualität in vielen Orten an der Saale ist bemerkenswert.

 

Wer sich über Bad Dürrenberg informieren will, klickt folgenden Link: Bad Dürrenberg

 

Merseburg.

Weiter ging es nach Merseburg. Hier hatte ich Anfang der 90er-Jahre wegen nötiger Recherchen im damaligen Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz aufgehalten, das sich heute in Berlin befindet. Ich hatte die Stadt als kalt und grau in Erinnerung - ebenso kann ich mich noch gut an den Geruch der Braunkohle-Heizungen erinnern. Jetzt erlebte ich Merseburg grün, freundlich und gesund.

 

Bis zur traditionsreichen Universitätsstadt Halle ist es von Merseburg nicht weit. Die Etappe offenbarte, dass auch Halle einen hohen Freizeit- und Erholungswert hat -und das nicht nur wegen des Saaleufers, sondern vor allem wegen der zahlreichen anderen grünen Inseln. Ein Beispiel ist die Dölauer Heide, das größte Waldgebiet in Halle. Auch zu diesem Thema gibt es Informationen im Netz - und zwar unter Grüne Oasen Halle

 

Natürlich gibt es mit der Neustadt auch einen Stadtteil, der an den Städtebau der DDR-Zeit erinnert. Die Plattenbauten sind heute saniert und heute mehr Denk- als Mahnmal.

 

Halle ist auf jeden Fall einen Besuch wert, zumal es zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten und Radrouten ins Umland gibt. Für Radreisende kann das wiederum zum Problem werden. Denn die überörtliche Beschilderung ist  nicht immer logisch, oft sind die Hinweise zu kleinteilig. Wer sich da nicht auskennt, verfährt sich ganz schnell. Natürlich ist das auch mir passiert, was allerdings den Vorzug hatte, dass ich die Dölauer Heide und das nahe gelegene Erholungsgebiet am See kennenlernte.

Wettin.

Weiter ging es auf dem Saaleradweg, der mitunter vom Fluss wegführt. Auch muss man auf dem weiteren Weg einige Holperstrecken einkalkulieren - und den Seitenwechsel via Autofähre. In Wettin, ursprünglich Heimat des berühmten Adelsgeschlechts, ging nach dem Stopp an einem Imbiss die Zeit des sonnigen Wetters und der im Großen und Ganzen angenehmen Temperaturen zu Ende. Doch im Nachmittagsregen zeigte sich, dass ich sehr gut eingekauft hatte. Funktionskleidung und Klimafasern wirkten so, wie es mir der Verkäufer gesagt hatte. Das war mal eine angenehme Überraschung. Auf meiner Ostsee-Radtour hatte das alles noch anders ausgesehen.

Bernburg. Residenz der Askanier.

Die Etappe endete in Bernburg. Noch so ein Städtchen, dass mustergültig herausgeputzt wurde, sich aber bei meiner Ankunft fast menschenleer präsentierte. Der Eindruck täuschte. Die Unterkünfte in der Altstadt waren alle belegt, ich wechselte auf die andere Seite, um in der "Neustadt" das Hotel mit dem besten Preis-Leitungsverhältnis meiner Reise zu finden: Das Hotel Askania. Großes Einzelzimmer, Fahrradstellplatz, Gratis-W-LAN, beheizbarer Buttler für die kleine Wäsche und Minibar - und das für 58 Euro inklusive einem reichhaltigen Frühstücksbüfett. Da kann man nicht meckern. Empfehlenswert auch das angegliederte Restaurant Amadeus, wo ich die Spargel-Gerichte testete - und einen leichten, sehr guten Riesling aus dem Anbaugebiet Saale-Unstrut.

 

Übrigens: Das Restaurant war nicht dem berühmten Komponisten gewidmet, sondern dem einstigen Landesherrn Amadeus. Der Askanier gehörte zu den reformorientierten Landesherren des 18. Jahrhunderts. Und Bernburg war die Residenz der Askanier. Man sieht: Auch um diese Stadt ranken sich Geschichte und Geschichte. Und hier der Link zum Hotel Askania: Askania Bernburg

Schleuse Bernburg.
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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018