10. Etappe: Burg - Brandenburg 98,9 Km (97,3 Km)

Auch Burg hat sich herausgeputzt, doch ist hier sind der Strukturwandel und die daraus resultierenden Probleme an vielen Stellen zu spüren. Neben den zahlreichen Naherholungs- und Ausflugsmöglichkeiten gibt es nämlich etliche Gewerbebrachen. Burg, übrigens der Geburtsstadt des berühmten Generalmajors und Militärtheoretikers Carl von Clausewitz, war in DDR-Zeiten eine große russische Garnison und ist heute noch Bundeswehrstandort. Mit der Wende waren viele kleine Industriebetriebe, zum Beispiel in der Textilbranche, der weltweiten Entwicklung nicht mehr gewachsen und mussten schließen. Die Anlagen verfielen, viele Bürger wanderten aus der Stadt ab.

 

Burg hatte vor der Wende um die 30.000 Einwohner, wegen der Eingemeindungen wurde immerhin ein Stand von 27.000 Einwohnern erreicht. Potenziale, die Brachen neu zu bebauen, sind vorhanden, doch gibt es Probleme, die nicht nur für die neuen Bundesländer typisch sind: Spekulation und zerstrittene Erbengemeinschaften sind nur zwei davon.

Dieses Bild wird der schön sanierten Stadt Burg nicht gerecht. Doch es charakterisiert ein typisches Problem in Sachsen-Anhalt: Die vielen Industriebrachen, die revitalisiert werden müssen.

An diesem Tag wollte ich etwas Neues ausprobieren, und einen Teil des Telegrafen-Radweges Berlin-Koblenz befahren, der zwar erst in einigen Abschnitten fertig ist, aber schon bis in die Buga-Stadt Brandenburg führen soll. Um es vorweg zu sagen: Ich bin kläglich gescheitert. Zum einen ist der Weg kaum bekannt (die befragten Einheimischen konnten keine Auskunft geben), zum anderen muss an der Beschilderung noch gearbeitet werden. Zwar habe ich den Anschluss recht schnell gefunden, doch stand ich plötzlich ohne weitere Informationen auf einem Feldweg, auf den es nicht weiter ging. Also nutzte ich den Radweg entlang der Kreisstraße nach Parey, und auf dieselbe Art und Weise ging es weiter nach Genthin.

 

In Genthin gab es zahlreiche Baustellen, die Umleitungsbeschilderung für Kraftfahrzeuge war vorbildlich, für Fahrradfahrer fehlte sie. Immer wieder habe ich versucht, von der Straße wegzukommen, es gelang mir nur in einigen Abschnitten, weil irgendwie immer die stark frequentierte Bundesstraße 1 im Wege war. Und wenn es eine Beschilderung gab, war diese so kleinteilig, dass sie wenig weiter half. Ich meine: Von Ortsunkundigen kann man nicht erwarten, dass sie jedes Dorf kennen. Alle 100 Meter absteigen, auf die Karte schauen oder nach dem Weg fragen, das kann nicht im Sinne des Erfinders sein. Je näher ich nach Brandenburg kam, desto besser wurde die Situation, und auch die Beschilderung wurde besser. Aber: Kurz vor dem Ziel gab es wieder Umleitungen.  Radfahrer wurden auf eine Havelrundfahrt geschickt. Ergebnis: Eine Ehrenrunde von 10 Kilometern. Eigentlich wollte ich an diesem Tag eine Halbetappe fahren, um mir noch etwas anzusehen.

Historisches Rathaus der Buga-Stadt Brandenburg.

Die Moral von der Geschichte: Wenn man einmal ein Schild übersieht, hat man kaum noch eine Chance, auf den richtigen Weg zurückzukehren. Und ein Schild zu übersehen, ist nicht schwer: Oft hängen sie an den unmöglichsten Ecken oder sind einfach zugewachsen. Dies gilt natürlich nicht nur für Brandenburg.

 

Wie dem auch sei: Die Stadt Brandenburg selbst entschädigte mich sehr schnell für den Ärger. Ich fand eine schöne, zweckmäßige Unterkunft mitten in der Altstadt. Das Team war sehr nett und auskunftsfreudig. Und im Innenhof saßen einige Touristiker, denen ich die Sache mit der Beschilderung direkt erzählt hatte. Sie antworteten zu meiner Überraschung, dass das Problem bekannt sei. Deswegen will man noch in diesem Jahr damit beginnen, die Beschilderung zu überarbeiten.

 

Was in Brandenburg richtig gut ist, ist das Hotel-Auskunftssystem im Internet. Einfach via Smartphone ansteuern, Unterkunft aussuchen und mit einem Tapser direkt anrufen. So habe ich die Altstadtpension gefunden, in der trotz der sehr moderaten Preise aus meiner Sicht wirklich alles stimmte. Deshalb meine Empfehlung  und den Link Altstadtpension Brandenburg

Brandenburg feiert nicht nur die Buga, sondern auch 25 Jahre Stadtsanierung. Dieses Jubiläum wurde als Thema in die Bundesgartenschau 2015 integriert. Mit dem, was noch zu erledigen ist, gehen die Brandenburger offensiv um - und setzen Transparente ein.
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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018