2. Tag: Mainz-Finthen-Heidelberg 123,6 Km

Der Tag begann mit einer Überraschung. Das Wetter war weit besser als angekündigt. Die Sonne schien bis Worms - eigentlich war ja ein regnerischer Tag angekündigt worden. Von wegen! Bei Temperaturen knapp über 20 Grad ließ es sich trefflich radeln, und es stellte sich heraus, dass es gar nicht so dumm gewesen war, in Finthen zu übernachten. Über Gonsenheim und Bretzenheim gelangt man schnell nach Mainz-Süd, an der Zitadelle hat man schnell der Anschluss zum Rheinradweg in Richtung Worms gefunden. Es wäre noch besser gewesen, wenn die Umleitungen an den vielen Baustellen besser beschildert gewesen wären.

Mainz-Süd.

Aber jetzt kenne ich wenigstens Uni und Fachhochschule, auch weiß ich jetzt, wo Mainz 05 spielt. In der Landeshauptstadt hat man mächtig investiert, und wenn man weiter südlich die Stadt verlässt, kommt man an einem neuen Yachthafen vorbei. Das alles sieht richtig nett aus. Weiter geht es im Wechsel durch Flusslandschaften und Weingärten - Weinberge kann man hier kaum sagen, es ist im Vergleich zur Mosel alles deutlich flacher. Mittagspause in Nierstein bei Holunderblütenschorle und Butterbrot wie bei Mutti. Netter Wirt im Café Ernie und Illi. Kann man empfehlen. Sehr gemütlich, etwas Zeit mitbringen.

Der Wormser Dom - wie so vieles auf der Tour - eingerüstet.

Weiter ging es Richtung Worms. Hinter mir spürte ich leichtes Gewittergrollen - und ich machte etwas Tempo. Auch auf diesem Teilstück liefen nicht alle Radwege durch. Wegen der Baustellen, allerdings waren die Umleitungen gut ausgeschildert. Um voranzukommen, bin ich ein Stück Bundesstraße gefahren. Das ging ganz gut, weil ein breiter Seitenstreifen da war. In Worms schnell das obligatorische Foto vom Dom gemacht, dann weiter nach Ludwigshafen. In diesem Abschnitt ist der Weg für Radler sehr gut ausgeschildert, man wird durch eine Auenlandschaft geführt, was sehr malerisch ist, vor allem dann, wenn der Himmel immer schwärzer wird. Und irgendwann landet man vor dem BASF-Werkseingang. Halb Ludwigshafen scheint aus BASF zu bestehen. Beeindruckend. Weniger beeindruckend ist, dass die ganze Stadt an ihren Blechlawinen zu ersticken scheint. Radfahrer werden manchmal dumm geführt, aber irgendwie findet man es doch.

 

Und dann fing es doch noch an zu regnen. Schnell bei Netto untergeschlüpft und abgewartet. Diese 15 Minuten war übrigens die einzige Regenpause, die ich machen musste. Ein Stück weiter östlich hatte es offenbar richtig geschüttet, und als ich dort war, brauchte ich nur noch die Pfützen zu umfahren. Der Weg nach Mannheim gestaltete sich übrigens nicht so leicht wie ich gedacht hatte. Irgendwann waren die Schilder mehr verwirrend als hilfreich. Und in einer deutschen Großstadt nach dem Weg zu fragen, ist heutzutage nicht mehr so einfach. Die Einheimischen kennen ihre Stadt offenbar nur aus der Windschutzscheiben-Perspektive. Schließlich sagte einer: “Da Brücke, Du Mannheim”. Na, die Auffahrt hätte ich mich allein nicht getraut. Die Auffahrt für Fahrräder war nämlich woanders. Aber egal, die Richtung stimmte. Und oben angelangt, schaffte ich es irgendwie auf den Radweg und ich erreichte Mannheim. Die Stadt soll doch so schön sein, dachte ich. OK. Das Schloss ist imposant. Aber sonst? Autos, Autos, Autos. Wir haben unsere Städte dem Individualverkehr geopfert. Schade!

Das Mannheimer Schloss, das heute von der Universtität genutzt wird.

Wenn man den Anschluss gefunden hat, ist der Weg zum Neckarradweg leicht zu finden. Und man stellt schnell fest, wo die Mannheimer an warmen Sommertagen hingehen. Dieses Mal war alles fast menschenleer. Dafür war die Luft herrlich frisch. Ohne Komplikationen rollte ich die 27 Kilometer nach Heidelberg.

 

Ich legte den ganzen Weg nach Heidelberg auf der rechten Neckarseite (von der Mündung aus gesehen) zurück. Irgendwann besteht die Möglichkeit, via Brücke nach Ladenburg zu wechseln, einem netten Städtchen. Von dort geht es angeblich auf der schöneren Seite weiter. Da es schon spät war, habe ich auf Experimente verzichtet und fuhr die konventionellen Straßen. Und die Neckar-Dörfer sind alle nicht hässlich.

Heidelberg, Altstadt und Schloss.

Dank Online-Buchung ist es mir gelungen, mitten in der Heidelbeger Altstadt zu reservieren. Genauer gesagt, in der Kettengasse. Dort checkte ich im Hotel “Zum Pfalzgrafen” ein. 71 Euro für ein Einzelzimmer war ganz schön happig. Doch wenn man die Vergleichswerte für das Pfingstwochenende in anderen Häusern  abrief, war das noch in der unteren Tabellenhälfte. Das Zimmer war klein, der Service aber sehr freundlich, und das Frühstücksbüffet ging auch in Ordnung. Das Beste am Standort ist nicht nur seine Lagre, sondern vor allem auch das historische Ambiente. Es war noch ein richtig schöner Gasthof aus der Barockzeit mit großer Einfahrt und auf der Hofseite mit Galerie aus Holz. So müssen einst in Koblenz die legendären Gasthöfe “Zum Wilden Mann” und “Zu den drei Reichskronen” ausgesehen haben, die es ja heute leider nicht mehr gibt.

 

Nur wenige Schritte weiter, lädt das legendäre Café-Restaurant Knösel ein, ein traditioneller Treff für Korporationsstudenten. Das ganze Lokal hängt voller historischer Fotos aus der Verbindungsstudenten. Überraschenderweise war das Restaurant kaum besucht, ich orderte Salat mit gebratenen Maultaschen (je mehr man fährt, desto kleiner wird der Appetit).

 

Danach: Noch zwei Cocktails in einer Altstadtspelunke und früh ins Bett.

 

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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018