4. Tag: Heilbronn - Esslingen 111 km

Die Kilometerangaben des Tages irritieren. Eigentlich muss man die Strecke innerhalb von 90 Kilometern bewältigen. Doch ich habe eine große Ehrenrunde gedreht. Aber zunächst der Reihe nach.

 

Die kalte Sophie machte ihrem Namen alle Ehre. 6 Grad am Morgen in Heilbronn, aber immerhin schien die Sonne. Mir sollte es trotzdem warm werden, obwohl die Temperaturen im Tagesverlauf um die 10 Grad lagen und sehr oft ein eiskalter Gegenwind blies. Denn dieser Tag war ein Tag der Steigungen, was man aus den Einträgen im Netz nicht unbedingt herleiten kann. Aber wer schon über die Autobahn von Heilbronn nach Stuttgart gefahren ist, weiß, dass es unmöglich flach werden kann. Das Neckartal ist stellenweise sehr eng, sodass die Schleusenanlagen den ganzen Raum einnehmen. Schon 7 Kilometer nach Heilbronn ging es los, wer nach Lauffen kommen will, muss erst einmal schieben. Eine unangenehme, lange Steigung, die man auch fahren kann, aber ich entschloss mich zu schieben, weil ich nicht schon zu Beginn der Etappe fix und fertig sein wollte. Es sollte sich noch zeigen, dass die Entscheidung richtig war.

Lauffen am Neckar.

Abwechslungsreiche Landschaften, knuffige Städtchen: Es hätte die bislang schönste Etappe sein können, wenn die äußeren Bedingungen gestimmt hätten. Dazu kam, dass die Beschilderung für Radfahrer zu kleinteilig war und man sich schnell verfahren kann. Die Strategen wollen offenbar, dass man nur flussabwärts fährt. Umgekehrt ist offenbar nicht vorgesehen. Man braucht nur mal ins Netz schauen, und man wird schnell feststellen, was ich meine.

Lauffen am Neckar ist wirklich sehenwert. Hier offenbart das Neckartal wieder einmal, dass mehrere Varianten möglich ist. Ich entschloss mich, dem Kompass zu folgen und stets Richtung Südost zu fahren. Und so kam ich schließlich nach Waiblingen, ohne große Fehler zu machen. Kleine Warnung: In Lauffen sieht es so aus, dass man fortan bequem am Neckar entlang fahren kann. Weingärten zu Linken, Weingärten zur Rechten. Das änderte sich nach einigen Kilometern, es ging mal wieder bergauf. Und das richtig. Oben angelangt, wählt man am besten die Fahrtrichtung Ludwigsburg. In Marbach kommt man an den Neckar zurück. Kurz Schillers Geburtshaus fotografiert und dann weiter. Eigentlich könnte man gut vorankommen, doch die Radwege waren erneuert worden und noch gesperrt. Also Bundesstraße. Ich weiß nicht, ob  es auf der anderen Neckarseite besser funktioniert hätte. Die Situation zeigte einmal mehr: Am Bau und in den Kommunen wird ungern in größeren Zusammenhängen gedacht. Eine kleine Hinweistafel hätte gereicht. Man will doch angeblich mit Radtourismus punkten. Und so wird das nichts.

Schiller-Haus (Mitte) in Marbach am Neckar.

Auf eine Besichtigungstour in Ludwigsburg habe ich verzichtet und bin am Neckar geblieben. Was folgte, war der schönste und komfortabelste Abschnitt dieser Etappe bis Remseck am Neckar. Dort hat man die Wahl. Entweder man fährt in Richtung Stuttgart oder umgeht das Ganze. Wer die Großstadt vermeiden will, fährt das Remstal in Richtung Waiblingen. Auch wenn ein Waldstück mit einer Steigung dazwischen liegt, war es die richtige Entscheidung. Denn die Fachwerkstadt Waiblingen ist nicht nur mustergültig saniert sondern auch intelligent erweitert worden. Man sieht: Moderne Architektur muss nicht zwangsläufig hässlich sein.

Waiblingen, Altstadt.

Waiblingen verlässt man komfortabel auf Radwegen, und genau deshalb habe ich einen verhängnisvollen Fehler gemacht. Ich in einfach zu weit gefahren. Weinstadt, Remshalden, Winterberg: Das alles hätte ich mir sparen können. Die 10 Kilometer waren leicht zu bewältigen. Aber in Winterberg wartete ein dicker Berg auf mich, der mir auf meinem Weg nach Esslingen im Wege stand. 7 Kilometer Steigung! Und auch die Abfahrt war nicht schön. Zunächst angesichts des Gegenwindes kaum spürbar, die letzten 4 KIilometer bis Esslingen zu steil.

 

Esslingen ist sehenswert: Eine Riesen-Altstadt - liebevoll restauriert. Nach mehreren Ehrenrunden habe ich endlich das Hotel gefunden - Eco-Inn. Die Nacht 65 Euro mit reichaltigem, guten Frühstücksbüfett und der Möglichkeit, das Fahrrad gratis im Haus abzustellen. Gute Lage direkt am Hochschul-Campus, Zimmer allerdings recht einfach.

 

Abends habe ich dann nichts mehr gemacht. Die Etappe war einfach zu anstrengend.

 

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© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018