Deutschland-Tour 2019

10 Bundesländer, ein Abstecher nach Polen und jede Menge neue Eindrücke: Das ist die Bilanz meiner Deutschland-Tour 2019. Am Ende kamen laut Tacho rund 2630 Kilometer zusammen. Die Diskrepanz zu den etwas niedrigeren Navi-Angaben vor allem durch die zusätzlichen Runden durch diverse Innenstädte zu erklären – und die Tatsache, dass es in Ausnahmefällen keine Signale in Funklöchern gab – so in der Nähe der polnischen Grenze. Wie dem auch sei: Es war die längste Tour, die ich bislang gefahren bin. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass ich dieses Mal auf ein Pedelec gewechselt bin. Das war die Konsequenz aus meinem Scheitern 2018, als ich schon nach 470 Kilometern bei Bad Harzburg aufgeben musste. Das rechte Knie machte nicht mehr mit, es hatte sich angesichts der viele Steigungen entzündet. Meine Planungen waren damals wohl zu ambitioniert. Im  Anschluss sind einige allgemeine Angaben aufgeführt. Weitere Details gibt es wie immer unter den jeweiligen Tourtagen. Neu sind genaue grafische Angaben zur Streckenführung. Komoot macht’s möglich.

Der Autor nach 2630 Kilometern vor dem Berliner Kanzleramt.

Das Fahrrad: Cube Touring-Hybrid mit Shimano Deore-Schaltung (neun Gänge), das ich mit Hornlenkern und Marathon-Plus-Tour-Reifen habe ausstatten lassen. Der Motor ist ein Bosch Active Line Plus, dazu ein 500er-Akku mit theoretischer Reichweite bis zu 150 Kilometer. Zu meinem Erstaunen hat die Ladung zweimal sogar 151 Kilometer gehalten. Solche Reichweiten sind aber nur möglich, wenn man durchgehend im Eco-Modus fährt, oder, bei mehr Motorunterstützung, zum Ausgleich den Antrieb auch mal abschaltet. Auf steigungslosen Strecken ist man mit dem Rad auch ohne Motor ganz flott unterwegs.

 

Das Beste am Touring-Hybrid sind seine Verarbeitung und seine zuverlässige Technik. Ich habe in den dreieinhalb Wochen meiner Tour nicht eine einzige Panne gehabt. Kleiner Wermutstropfen: Die Aufhängung des Vorderrad-Schutzbleches ist - wahrscheinlich wegen der vielen Holperpisten - gerissen. Ich habe das Teil einfach entsorgt und bin einfach weitergefahren.

 

Augen auf bei der Motorenwahl:  Ich habe mich ganz bewusst für einen Motor mit niedrigerem Drehmoment entschieden. Der liebt bei Active Line plus bei bei 50 Newtonmetern. Bosch und andere Hersteller liefern auch Motoren im Bereich zwischen 75 und 90 Newtonmetern. Das gibt am Berg mehr Unterstützung, braucht aber auch mehr Energie. Etappen von 100 bis 115 Kilometern, die bei mir Standard sind, können bei so viel Leistung mit hoher Wahrscheinlichkeit nur mit einem Ersatzakku bewältigt werden. Und der macht das Gepäck schwerer. Deswegen habe ich mich bewusst gegen die stärkere Motorisierung entschieden. Dazu kam der Ehrgeiz, mit einem Pedelec unterwegs zu sein, das sich optisch nur unwesentlich von einem Tourenrad unterscheidet und den Fahrer noch etwas fordert.

 

Die Nachteile: Das Pedelec hat auch Nachteile. Das merkt man spätestens beim Schieben. Mit rund 25 Kilo (plus Gepäck) sind die Biester einfach sehr schwer. Das mag beim Schieben auf Straßen noch kein Hindernis sein, ist aber im Gelände ein gravierender Nachteil. Die sandigen Waldpisten in Polen und Mecklenburg-Vorpommern wecken mitunter den Wunsch, auf ein „normales“ Fahrrad zu wechseln.

 

Die Planung: Ursprünglich wollte ich spontan losfahren, doch angesichts der vielen Brückentage Ende  Mai und im Juni entschied ich mich am Ende doch, alles genau durchzuplanen. Die App Komoot leistet dabei wirklich gute Dienste, weil sie auch die Geländebeschaffenheit berücksichtigt, was das Planen der Etappen sehr realistisch machte. Zudem enthält die App eine leistungsstarke Navigierfunktion. Dadurch wurde, anders als bei den letzten Touren, das Smartphone zum Navigationsgerät. Ich habe mich für ein preiswertes Outdoor-Handy (Cubot KingKong 3)  entschieden, das die Erwartungen voll erfüllte. Allerdings ist die Kamera nicht so doll. Sie liefert nur bei idealen Lichtverhältnissen brauchbare Aufnahmen. Dennoch habe ich mich auf sie verlassen, weil mir eine Fotoausrüstung zu schwer war. Mein Garmin Edge habe ich zur Sicherheit mitgenommen, weil es auch dann aufzeichnet, wenn es das Smartphone schlapp macht. Komoot kommt auch grundsätzlich mit dem langsamen Edge-Standard gut zurecht, aber es gibt Gegenden, in denen noch nicht mal Edge vernünftig funktioniert.

 

Die Übernachtung: Ich bin von Unterkunft zu Unterkunft gefahren. Und habe alles über Booking.com vorbestellt. Die Funktion, direkt von unterwegs dort anzurufen, ist nicht zu verachten. Auch findet man mit einer anderen Funktion problemlos die Unterkunft. Sie basiert auf Google Maps, man kann also die Unterkunft nach dem Einkreisungssystem unkompliziert finden. Wenn man alleine unterwegs ist, ist die Übernachtung in Pensionen und Hotels in der Gesamtsumme natürlich nicht preiswert. In der Regel habe ich um die 55 bis 60 Euro bezahlt, wobei es Ausreißer nach unten und, vor allem an der Ostsee, nach oben gab.

 

Spontan buchen ist vor allem an der Elbe und an der Neiße immer noch sehr gut möglich. Immer wieder bieten Wirte oder Vermieter Zimmer und Ferienwohnungen an. Es gibt auch kleinere private Zeltplätze, vor allem an der Neiße, die man nicht sofort auf dem Schirm hat.

 

Die Bekleidung: Ich habe mich wieder für schnell trocknende Funktionskleidung und nicht für spezielle Radlerkleidung entschieden, die man verwandeln kann (Hosen) und mit der man sich auch noch in ein Restaurant trauen kann. Dazu die klassischen Radfahrer-Unterhosen und Socken. Drei Wechselsets reichen – und eine Tube Reisewaschmittel.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Dr. Reinhard Kallenbach 2018