Braugasse
Gasse im spätantik-frühmittelalterlichen Kein der Koblenzer Altstadt, In Nord-Süd-Richtung, verlaufend, verbindet die Braugasse heute den Entenpfuhl mit den höher gelegenen Bereichen rund um die Liebfrauenkirche. Sie hat ihren Namen vom einstigen städtischen Brauhaus, das sich von 1662 bis 1889 an Stelle der heutigen Gebäude Nr. 4 und 6 befand und im sog. Haus „Monreal“ untergebracht war. Das Alter dieses Gebäudes auf der östlichen Seite der Braugasse kann heute nicht mehr mit Sicherheit geklärt werden. Fest steht, dass es um 1356 als städtisches Rathaus eingerichtet und 1688 zerstört wurde. Der Wiederaufbau war 1693 abgeschlossen. Der Bauunternehmer Josef Thillmann ließ das baufällige Gebäude 1889 beseitigen. Die Westseite der Gasse wurde ursprünglich durch den Liebfrauenkirchhof und das dazugehörige Beinhaus geprägt.
Braugasse 4
Alte Hausnummer: 150
Geschichte (Braugasse 4 und 6): Der Bauunternehmer Josef Thillmann erhielt am 16. April und 21. März 1889 die Genehmigung zur Errichtung zweier neuer Häuser anstelle des ehe-maligen alten Brauhauses. Die Fertigstellung beider Bauten erfolgte zwischen 1889 und 1891. Das große Straßengefälle, das Weiterbestehen alter Kellergewölbe, der wiederholte Einspruch der Genehmigungsbehörden und schließlich die verschiedenen Umbauarbeiten führten zu starken Differenzen zwischen Entwurf und Ausführung.
Konstruktion: Massivbau mit Putzfassade. Bei der Erbauung des Hauses hat man die alten Kellergewölbe – abgesehen von einigen Änderungen hinsichtlich der Kellertreppe und der Raumaufteilung – beibehalten. Ungefähr in der Mitte des Hauses stieß die spätantike Römer-mauer senkrecht auf den Keller.
Beschreibung: Traufständiges, viergeschossiges und neunachsiges Haus. Der Bau orientiert sich am Straßenverlauf. Deswegen macht die Fassade auch einen Knick. Das Wohn- und Ge-schäftsgebäude (Gaststätte) besitzt ein zur Braugasse hin abfallendes Pultdach mit neun Dachhäuschen (in Verlängerung der Achsen). Das Haus hat einen dem Straßengefälle angepassten Sockel. Die beiden Eingänge mit Oberlichtern im Erdgeschoss (links mit geschnitzter Holztür aus der Erbauungszeit) werden von Pilastern flankiert. In den Obergeschossen gliedern profilierte Stock- und Sohlbankgesimse die Fassade. Ein weit auskragendes, auf vegetabil verzierten Konsolen ruhendes Traufgesims trennt den Dachbereich optisch von den restlichen Geschossen. Die Viereckfenster haben profilierte Gewände und sind im ersten Obergeschoss mit Eckohren und einfachen, horizontalen Verdachungen ausgestattet. Abgesehen von den Konsolen des Traufgesimses entspricht die schlichte Fassadengestaltung eher klassizisitischen Traditionen als dem Neorenaissancestil.
Geschosshöhen (laut Originalplan):
• Keller 4,20 m/3,00 m;
• Erdgeschoss 5,00/4,42 m;
• 1. Obergeschoss 3,60 m;
• 2. Obergeschoss 3,40 m;
• 3. Obergeschoss 3,25 m;
• Dach 4,30 m.
Quellen: Akten des Kulturamtes; StAK, Fach 2.
Braugasse 6
Alte Hausnummer (Vorgängerbau): 150
Bemerkung: Das 1891 fertiggestellte Haus entstand an Stelle des ehemaligen Rathauses Monreal (altes Brauhaus).
Konstruktion: Mischbauweise, Putzfassade. Be: der Errichtung des Gebäudes wurde der alte tonnengewölbte Keller beibehalten. Bei dem Teil des Baugrundstückes, der beim ehemaligen Haus Monreal den Hof bildete, hat man neue Kellerräume angelegt.
Beschreibung: Traufständiges, viergeschossiges Haus mit zur Braugasse hin abfallendem Pultdach. Das Stil der deutschen Neorenaissance gestaltete Wohn- und Geschäftsgebäude hat insgesamt acht Achsen (einschließlich des dreigeschossigen Erkers). Das Haus orientiert sich an der. Straßenführung. Die Fassade verläuft deshalb entsprechend der leicht abgeknickten Baufluchtlinie. Das Erdgeschoss ist nicht mehr original erhalten. Die Ladenzone wurde mehr-mals umgestaltet und mit einer Fliesenverkleidung versehen. Die Fassade hat in den Ober-geschossen eine profilierte Putzquaderung und Ecklisenen. Sie wird durch profilierte Sohlbank-und Stockgesimse gegliedert. Das weit auskragende Traufgesims ruht auf mit Pflanzenmotiven verzierten Konsolen. Die Viereckfenster haben gekehlte Gewände. Die Schlusssteine der Gewände sind mit Pflanzen- und Muschelmotiven verziert. Der dreigeschossige Viereckerker wird ebenfalls durch Gesimse gegliedert. Die Fensterteilung im Mezzaningeschoss oberhalb des dritten Obergeschosses ist mit fünf Pilastern versehen. Die Erkerachsen werden durch Halbrundsäulen mit profilierten Sockeln und Kapitellen optisch getrennt. In Sturzhöhe des ersten Obergeschosses befindet sich ein Fries mit Rosetten- und Rautenornamentik. Im zweiten Obergeschoss kann man unter den Gesimsstücken neben dem Erker blattwerkumrahmte Kartuschen mit den Initialen J (J für Josef Thillmann?) und F (Bedeutung unklar) erkennen. Im Dachbereich besitzt das Haus vier Dachhäuschen mit Dreieckgiebeln.
Geschosshöhen (nach den Originalplänen):
• Keller ca. 3,30 m;
• Erdgeschoss 4,35 m/3,00 m (die Differenz liegt am Straßengefälle);
• 1. und 2. Obergeschoss 3,40 m;
• 3. Obergeschoss 3,25 m;
• Dach 3,20 m.
Bemerkung: Bei der Konzeption des Hauses plante man den Anbau eines mehrgeschossigen, reich verzierten und großzügig verglasten Viereckerkers. Man griff somit ein Gestaltungsmit-tel auf, das die Baumeister bereits gegen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts (Kornpfortstraße G und 17) verwendeten.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S, 206–208; Akten des Kulturamtes; StaAK, Fach 2.

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