Florinsmarkt
Platz im Herzen der Altstadt, in mittelbarer Nachbarschaft zum Moselufer. Der Bereich hat seinen Namen vom Stift St. Florin, das spätestens seit dem 11. Jahrhundert überliefert ist. In seiner jetzigen Form gibt es den Florinsmarkt erst seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Seine Entstehung steht im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Verbreiterung der Burgstraße, um Militärtransporte in Richtung des Rheinufers zu erleichtern. Anstelle des heutigen Parkplatzes in der westlichen Hälfte des Areals befand sich ursprünglich ein größeres, zum Bürresheimer Hof gehörendes Gebäude, das 1816 von der Stadt Koblenz erworben und ersatzlos abgebrochen wurde. Das gleiche Areal war bereits im Mittelalter bebaut und wurde durch die Hühner- und die Holzergasse von der Nord- und Südseite des heutigen Platzes getrennt. Der Kern des ursprünglichen Marktes lag zwischen der Florinskirche, der moselseitigen Stadtmauer sowie im Eingangsbereich zwischen Florinspfaffen- und Mehlgasse. Nach Fritz Michel betrug die Grundfläche etwa 30 x 85 Meter. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Marktplatz und Versammlungsort der Bürgerschaft. Um 1459 auch als Standort der Blutlinde erwähnt. Im April 1944 wurden viele Gebäude am Florinsmarkt schwer beschädigt. Besonders stark war die Nordseite betroffen. Der Wiederaufbau erfolgte vereinfacht auf den mittelalterlich-frühneuzeitlichen Kellern sowie den noch erhaltenen Erdgeschossen und den ersten Obergeschossen. Im Zuge der Altstadtsanierung wurden einige Gebäude auf der Südseite wegen Baufälligkeit unter Erhalt der Bruchsteinkeller abgebrochen. An gleicher Stelle stehen heute historisierende Neubauten. Es sind die Häuser Nr. 8–10, 12 und 22. Bei den Gebäuden Florinsmarkt 14 und 18–20 blieben nur die straßenseitigen Fassaden erhalten.
Florinsmarkt 1
Alte Hausnummer: 76
Geschichte: Auf dem Dilbecker-Plan ist das Grundstück zwar als bebaut eingezeichnet, es fehlt jedoch eine Hausnummer. Eine Einordnung des im Krieg schwerbeschädigten Bürgerhauses in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts dürfte daher naheliegen. Auf der Parzelle standen ursprünglich zwei Gebäude. Das am Florinsmarkt gelegene Haus wurde 1890/91 durch einen eingeschossigen, unterkellerten Anbau ergänzt. Im Oktober 1894 lieferte der Koblenzer Architekt Otto Nebel die Vorlagen für die Umgestaltung des moselseitigen Baus und die Neuerrichtung eines reich geschmückten Erkers. Die Umbaumaßnahmen waren wohl spätestens gegen Ende 1895 abgeschlossen. Damals erfolgten auch Veränderungen an den Balkenlagen und die Herausnahme von Fachwerkwänden im Erdgeschoss. Nach 1930 ließ man beide Gebäudeteile miteinander vereinigen. Die noch vorhandenen älteren Unterlagen lassen eine genauere Datierung nicht mehr zu.
Konstruktion: Massivbauten mit Putzfassaden.
Beschreibung des moselseitigen Baus: Traufständiger, dreigeschossiger und dreiachsiger Bau. Das Wohnhaus mit Gaststätte hat ein schiefergedecktes Satteldach. Die Fassade mit Sichtmauerwerk und sechs Rechteckfenstern ist durch Eck- und Mittellisenen gegliedert, die im dritten Geschoss in spitze Blendbögen übergehen. Die auf der alten Stadtmauer errichtete untere Etage wird von zwei eingeschossigen Erkern eingenommen. Der rechte Sandsteinerker ruht auf einer mächtigen, mehrfach abgestuften Konsole. Dieser Anbau ist durch mehrere Gesimse gegliedert. Hinzu kommt ein Zwillingsfenster mit Vorhangbogen. Im Brüstungsfeld befindet sich Fischblasenmaßwerk. Unter dem Dachgesims ist ein Zierfries mit Drachenrelief
angebracht. Der linke Erker ist eine zweiachsige Holzkonstruktion mit zwei Rundbogenfenstern. Er ruht links auf einer geschwungenen Sandsteinkonsole mit seitlichem plastischen Relief, das heraldische Motive zeigt. Die mittleren Konsolenstege der durch Gesimse gegliederten Anlage sind mit Maßwerk ausgefacht. Der gesamte Erker ist mit Schnitzereien und Drechselarbeiten (Säulen) verziert.
Bemerkung: Die moselseitige Fassade der Anlage gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen der Neogotik in der Altstadt. Elemente dieses Stils kamen auch bei den Gebäuden Eltzerhofstraße 14 und Mehlgasse 9 zur Anwendung.
Quellen: Akten des Kulturamtes; StAK, Fach 23.
Florinsmarkt 2a
Alte Hausnummer: 52
Grundstücksgröße: 240 qm
Bebaute Fläche: 193,68 qm
Geschichte: Früher standen auf den Grundstücken Florinsmarkt 2a sowie Münzstraße 18 und 20 die Gebäude des ehemaligen Kesselstadt’schen Hofes. Die Bauteil verschwanden im Laufe des 19. Jahrhunderts. Mithilfe eines Beschwerdebriefes an die Stadtverwaltung kann das Gebäude Florinsmarkt 2a in das Jahr 1873 datiert werden. Der Eigentümer des Nachbarbaus Florinsmarkt 2 klagte damals darüber, dass im Zuge der Abriss- und Neubauarbeiten sein Haus stark beschädigt worden sei (zum Beispiel durch Risse in allen Stockwerken, selbst im Kellergewölbe). 1906 ließ man den Hinterbau nachträglich unterkellern. Die späteren baulichen Veränderungen betrafen vor allem das Erdgeschoss. 1980 entdeckte man im Keller zwei Brunnen, die im Gegensatz zur ursprünglichen Annahme keinen römischen Ursprung hatten.
Konstruktion: Das Mauerwerk im älteren Abschnitt des Kellers besteht aus Bruchstein, im neueren Teil aus Beton. Im Erdgeschoss ist das Außenmauerwerk massiv. Gleiches gilt für die Außenwände der übrigen Etagen des Haupthauses (Stärke 45–76 cm). Alle übrigen Wände wurden aus Fachwerk mit Ausmauerung und beidseitigem Verputz hergestellt (Stärke = 15 cm). Im Hintergebäude sind die Wände entweder massiv oder in Fachwerk ausgeführt worden. Nähere Angaben hierzu liegen nicht vor. Decken: Der in sechs Abschnitte geteilte Keller des Hauptgebäudes ist mit drei Segmentbogentonnen ausgestattet. Im neu erbauten Kellerteil wurden die Decken aus Beton hergestellt. In den anderen Geschossen hat man Holzbalkendecken mit Einschüben und Füllungen eingebaut.
Beschreibung: Traufständiges, viergeschossiges und fünfachsiges Gebäude. Das Wohn- und Geschäftshaus (Gaststätte) hatte ursprünglich ein Satteldach mit fünf Dachhäuschen (in Verlängerung der Fensterachsen). Diese wurden im Zuge der Sanierungsarbeiten durch ein dreiachsiges Zwerchhaus ersetzt. Der Eingang befindet sich auf der linken Seite, rechts davon sind vier größere Fenster eingebaut. Die Viereckfenster in den Obergeschossen haben Putzrahmungen. Das Erdgeschoss ist durch ein profiliertes Stockgesims, das Dachgeschoss durch ein auskragendes, profiliertes Traufgesims optisch von den anderen Etagen abgesetzt.
Beschreibung des Vorgängerbaus laut Brandversicherungskataster (1821-1834): Zweistöckiges, massives Wohnhaus, einstöckiger, massiver Hinterbau.
Geschossflächen:
• Erdgeschoss 193,68 qm;
• 1. Obergeschoss 178,03 qm;
• 2. Obergeschoss bis Dachgeschoss 156,44 qm.
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 139,07 qm;
• 1. Obergeschoss 127,87 qm;
• 2. Obergeschoss 112,25 qm;
• 3. Obergeschoss 113,15 qm;
• Dachgeschoss 100,03 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 3,00 m;
• Erdgeschoss 4,12 m;
• 1. Obergeschoss 3,90 m;
• 2. Obergeschoss 3,66 m;
• 3. Obergeschoss 3,67 m;
• Dachgeschoss 2,54 qm;
• Speicher 3,40 m.
Grundriss: Typ 3 (Variante für breitere Häuser).
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 184; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Best 623, Nr. 2045, Blatt 19; StAK, Best. 623, Nr. 8085 (Beschwerdebrief); Hausakten der Sanierungsstelle.
Florinsmarkt 2
Alte Hausnummer: 74 [1]
Grundstücksgröße: 262 qm [2]
Bebaute Fläche: 190,84 qm
Geschichte: Vergleiche mit den Häusern „An der Liebfrauenkirche” lassen den Schluss zu, dass das Gebäude sein heutiges Aussehen spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt. Sein tatsächliches Alter ist mithilfe der historischen Bauakten nicht mehr festzustellen. 1901 und 1920 erfolgten Umgestaltungen der Schaufensteranlage. Im Zuge der Altstadterneuerung griff man bei den Gebäuden Florinsmarkt 2 und 4, die ursprünglich eine Einheit bildeten, auf die Möglichkeit der Objektsanierung zurück. 1989 wurden die Holzsprossenfenster erneuert und das Dach mit einer Naturschieferdeckung versehen. Die Farbfassung der Fassade erfolgte nach Befund. Barocktreppe und Innentüren konnten repariert werden.
Konstruktion: Der Gebäudeteil Florinsmarkt 4 ist nicht unterkellert. Der Keller in der anderen Haushälfte (Florinsmarkt 2) besteht aus Bruchsteinmauerwerk. Die Straßenfront und das Erdgeschossmauerwerk sind massiv. Alle übrigen Wände bestehen aus Fachwerk. Decken:
Die beiden Kellerräume sind mit Segmentbogentonnen ausgestattet. Die Holzbalkendecken in den anderen Etagen haben Einschübe und Füllungen.
Beschreibung: Traufständiges, viergeschossiges und zweiachsiges Haus. Das Wohn- und Geschäftshaus (Gaststätte) hat ein Satteldach mit drei kleinen Dachhäuschen. Der Eingang auf der linken Seite wird über eine Freitreppe erschlossen. Die Holztür besitzt ein Oberlicht. In den beiden Obergeschossen befinden sich jeweils vier Fenster, die paarweise zusammengefasst sind. Die Fassade wird nur durch den Putzsockel und die Fenstergewände gegliedert. Ein auskragendes Traufgesims setzt den Dachbereich von den anderen Etagen ab.
Beschreibung laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Dreistöckiges Wohnhaus, vorne zwei Stock Stein und ein Stock Holz, hinten ganz von Holz, zweistöckiger Hinterbau von Holz.
Geschossflächen:
• Erdgeschoss 190,84 qm;
• 1. Obergeschoss 194,58 qm;
• 2. Obergeschoss 187,36 qm;
• 3. Obergeschoss 164,34 qm;
• Dachgeschoss 77,73 qm.
Wohnflächen (Vordergebäude):
• Erdgeschoss 46,57 qm;
• 1. Obergeschoss 60,80 qm;
• 2. Obergeschoss 64,52 qm.
Wohnflächen (Hintergebäude):
• Erdgeschoss 76,78 qm;
• 1. Obergeschoss 76,52 qm;
• 2. und 3. Obergeschoss 57,16 qm;
• Dachgeschoss 46,26 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 3,08-3,24 m;
• Erdgeschoss 3,64 m/3,60 m/3,07 m;
• 1. Obergeschoss 2,99 m/3,33 m/2,62 m;
• 2. Obergeschoss 2,87 m/3,33 m/2,64 m;
• 3. Obergeschoss/Dachgeschoss 2,40 m/2,65 m/2,67 m;
• Dach 2,30-3,20 m.
Quellen: Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Best. 623, Nr. 2045, Blatt 5; Hausakten der Sanierungsstelle; StAK Fach 23.
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Anmerkungen:
1 Die für die Häuser am Florinsmarkt angegebenen Maße wurden während der Bestandsaufnahmen zu Beginn der Altstadtsanierung ermittelt. Die Werte beziehen sich folglich auf den Stand vor der Durchführung der Erneuerungsarbeiten.
2 Alle an dieser Stelle genannten Zahlen beziehen sich auf die Gebäude Florinsmarkt 2 und Florinsmarkt 4.
Florinsmarkt 3
Alte Hausnummer: 77
Geschichte: 1730 bestand der ehemalige Stiftshof aus einem vorderen und einem hinteren, zur Mosel gewandten Gebäudeteil. Nach Michel soll hier Nikolaus von Kues während seiner Zeit als Dechant des Stiftes St. Florin gewohnt haben. Der Dilbecker-Plan zeigt nur ein an der Moselseite gelegenes Gebäude, während der an den Florinsmarkt grenzende Teil des Grundstückes unbebaut ist. An dieser Situation änderte sich bis zu den Luftangriffen des Jahres 1944 nichts. Dann wurde das dreigeschossige, siebenachsige Gebäude zerstört. Heute stehen auf dem Gelände zwei 1965/66 errichtete Bauten. Das in Richtung Moselufer gelegene dreigeschossige Gebäude hat einen vollständig verschieferten dreigeschossigen und vierachsigen Viereckerker mit Dreiecksgiebel. Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Keller erfuhren im Laufe der Zeit zwar Veränderungen, blieben aber im Wesentlichen erhalten.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 262; Liessem, Topographie; Akten der Bauaufsicht; StAK, Fach 23; StAK, Best. 623, Nr. 9284: Kleinere Reparaturen im Dachbereich (1925–1941).
Florinsmarkt 4
Alte Hausnummer: 73
Geschichte: Die in Eisenankern angebrachte Jahreszahl 1711 weist auf die Errichtung des Gebäudes Anfang des 18. Jahrhunderts hin.
Konstruktion: Der Keller besteht aus Bruchsteinmauerwerk. Die Straßenfront und das Erdgeschossmauerwerk sind massiv. Alle übrigen Wände bestehen aus Fachwerk.
Decken: Die Gewölbedecke im Keller besteht aus Bruchstein. Die Holzbalkendecken in den anderen Etagen haben Einschübe und Füllungen.
Beschreibung: Traufständiges, dreigeschossiges und zweiachsiges Haus. Der oberhalb einer kleinen Freitreppe befindliche Eingang wird durch Basaltsteingewände betont. Links daneben ist ein Schaufenster eingebaut. In jedem der beiden Obergeschosse befinden sich drei Viereckfenster. Zwei davon sind jeweils paarweise zusammengefasst. Zu allen Fenstern gehören Basaltgewände. Im ersten Obergeschoss wurden (gusseiserne?) Brüstungsgitter (mit sich andreaskreuz- und rautenartig überschneidenden Stäben) vor die Fenster gesetzt. Im Brüstungsfeld dieser Etage ist in Eisenankern die Jahreszahl 1711 eingelassen. Das Wohn- und Geschäftsgebäude hat ein Satteldach und einen Zwerchgiebel, der fast die gesamte Hausbreite einnimmt. Im Giebelfeld befindet sich ein rundbogiges Fenster.
Beschreibung laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Dreistöckiges Wohnhaus, vorne massiv, hinten ein Stock Stein, zwei Stock Fachwerk.
Bemerkung: Der ausgeprägte Giebel an giebelständige Bauten der Renaissancezeit.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 263; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Best. 623, Nr. 2045, Blatt 41; Hausakten der Sanierungsstelle; StAK, Fach 23.
Florinspfaffengasse 5
Alte Hausnummer: 169
Grundstücksgröße: 377 qm
Bebaute Fläche: 288,54 qm
Geschichte: Das ehemalige Stiftshaus ließ der Kanoniker Alloye (Stift St. Florin) im Jahre 1702 errichten. Dabei hat man die Reste eines wahrscheinlich bei der Beschießung vom Herbst 1688 zerstörten kleineren Vorgängerbaus einbezogen. Für diese Annahme spricht der kreuzgratgewölbte Keller mit Mittelpfeiler in der südlichen Gebäudehälfte. Im Zuge der Altstadtsanierung wurde die Fachwerkkonstruktion im ersten Obergeschoss freigelegt, die alte Raumaufteilung verändert (Zahnarztpraxis, zahntechnisches Labor, Galerie), das Treppenhaus verlegt und die ehemalige Durchfahrt geschlossen. Die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammenden rückwärtigen Nebenbauten mussten wegen der Freilegung des Innenhofes abgebrochen werden.
Konstruktion: Der Keller wurde aus Bruchstein hergestellt (nur die Südhälfte des Gebäudes ist unterkellert). Die Außenwände des ehemaligen Stiftshauses (Putzbau) bestehen – mit Ausnahme des als Fachwerkkonstruktion ausgeführten südlichen Giebeldreiecks und der Rückfront des ersten Obergeschosses – ebenfalls aus Bruchstein (Stärke = 50–60 cm). Die Innenwände waren in beidseitig verputztem und ausgemauertem Fachwerk ausgeführt (Stärke = 15 cm).
Decken: Im Keller ein auf einem Mittelpfeiler ruhendes Kreuzgratgewölbe aus Bruchstein, in den Geschossen Holzbalkendecken, die unter Putz liegen.
Beschreibung: Traufständiges, zweigeschossiges und achtachsiges Doppelhaus. Das Gebäude hat ein Satteldach mit sechs Dachhäuschen, die mit Dreiecksgiebeln versehen sind. Die weit auskragende Traufe hat sichtbare Sparrenköpfe. Die Viereckfenster sind mit Basaltsteinrahmungen ausgestattet. Der Eingang wird ebenfalls durch Basaltgewände betont. Auf der südlichen Giebelseite befinden sich drei Einzel- und ein Zwillingsfenster.
Beschreibung laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Zweistöckiges, massives Wohnhaus, zweistöckige, halb massive Scheune, zwei jeweils eingeschossige Ställe aus Holz (genaue Angaben über den Standort der aufgeführten Nebenbauten sind heute nicht mehr möglich).
Geschossflächen:
• Erdgeschoss und 1. Obergeschoss 282,06 qm;
• Dachgeschoss 202,15 qm.
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 118,59 qm;
• 1. Obergeschoss 149,02 qm;
• Dachgeschoss 55,79 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 3,60 m;
• Erdgeschoss 3,66 m;
• 1. Obergeschoss 3,48 m;
• Dachgeschoss 3,00 m; Dach 1,95 m;
• Dach (Nebengebäude) 4,32 m.
Grundriss: Typ 5.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 265; Hausakten der Sanierungsstelle; LHA Ko, Best. 112; Nr. 1501; StAK, Best. 623, Nr. 20, Blatt 43; mündliche Mitteilung des Hauseigentümers, Herrn Lutz Tent.
Florinspfaffengasse 6
Alte Hausnummer: 164
Geschichte: Der ehemalige Stiftshof wurde im Jahre 1725 fertiggestellt. Später nahm man die Aufstockung des an der Florinspfaffengasse gelegenen Hauptgebäudes vor. Die Weihe der östlich hinter dem Gebäude gelegenen neugotischen Peter-Friedhofen-Kapelle erfolgte 1855. Zwei Seitenbauten, in denen sich einst Schulräume befanden, bestehen heute nicht mehr. Konstruktion: Massivbau mit Putzfassade. Beschreibung: Traufständiges, dreigeschossiges und fünf achsiges Gebäude, das heute als Kindergarten dient. Das nachträglich um eine Etage erhöhte, freistehende Haus besitzt ein Satteldach. Der Bau hat ein weit auskragendes, profiliertes Traufgesims und einfache Viereckfenster mit Basaltgewänden. An der Fassade wurde oberhalb der Fensterstürze im Erdgeschoss die Jahreszahl 1725 angebracht (Ziermaueranker). Auf der linken Seite befindet sich ein Rundbogenportal in Basalt mit Schlussstein und Kämpfergesims. Die im Hof angelegte neugotische Kapelle ist ein einschiffiges, bruchsteinernes Gebäude mit Apsis.
Beschreibung laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Zweistöckiges Wohnhaus, von Stein erbaut. Grundriss: Typ 5.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 267; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StaK, Best. 623, Nr. 2045, Blatt 88; StAK, Fach 23.
Florinsmarkt 7/7a
Alte Hausnummer: 78
Geschichte: Das am Florinsmarkt gelegene viergeschossige Gebäude wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet (Bauantrag vom 19. Oktober 1852), aber im Krieg beschädigt. Im Zuge der Wiederherrichtung musste man einen nachträglich aufgesetzten Dachaufbau wegnehmen. Das moselseitig gelegene Haus entstand nach 1750. Die Fassade wurde im Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie konnte erst in jüngster Zeit wiederhergestellt werden. Die historischen Bauakten geben nur Informationen über die Veränderung des Treppenhauses (Moselbau) im Jahre 1937. Die damals entstandenen Pläne zeigen im Keller mehrere tonnengewölbte Räume mit segmentbogigen Tonnen.
Konstruktion: Massivbauten mit Putzfassade.
Beschreibung: Traufständiges, viergeschossiges und dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit Satteldach. Das Erdgeschoss hat eine rustizierte Putzquaderung. Links befindet sich eine hohe Hofeinfahrt mit segmentbogigem Abschluss. Der auf der rechten Seite gelegene Eingang endet ebenfalls segmentbogig. Die Fenster sind viereckig und haben Putzfaschen. Die senkrechte Fassadengliederung erfolgt durch Lisenen. In der Mitte fällt ein schwacher, einachsiger Risalit auf. Die Hofeinfahrt hat noch das Holztor des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im Hof ist am Eingang zum moselseitigen Bau ein Portal mit ionischen Säulen zu sehen, darüber befindet sich ein auf zwei mächtigen Konsolen ruhender Architrav.
Der am Peter-Altmeier-Ufer gelegene zweigeschossige Bau wurde auf der mittelalterlich/frühneuzeitlichen Stadtmauer errichtet. Die Fassade ist durch drei Gesimspaare gegliedert. Im ersten Geschoss oberhalb der Stadtmauer befinden sich zwei nachträglich angebaute Balkone. In der Etage darüber ist ein weiterer Balkon angebracht. Der Dachaufbau (mit drei Dachhäuschen) wird durch ein vierachsiges Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel und ein ovales Fenster betont. Auf der linken und rechten Seite kann der Dachbereich von den Wohnungen aus betreten werden. Als Sicherung dienen zwei Gitter.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 262; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Best. 623, Nr. 5581; StAK, Fach 21.
Florinsmarkt 8
Heute zum Haus Florinsmarkt 10 gehörend
Alte Hausnummer: 82
Geschichte: Im Zuge der Erneuerungsmaßnahmen wurde das Haus einschließlich des Kellers abgerissen (1982-1984). Der ursprüngliche Bau stand auf einem tonnengewölbten Keller, dessen Achse senkrecht zum Florinsmarkt verlief. Am Gebäude hatte man die Jahreszahl 1706 angebracht. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden das Haus aufgestockt und die Fassade umgestaltet. Während der Sanierung entdeckten Bauarbeiter einen Schacht, der darauf hinwies, dass sich unter dem bekannten Gewölbe noch ein weiterer Keller befand. Details, wie zum Beispiel ein gotisches Säulenkapitell, erinnerten an mittelalterliche Vorgängerbauten. Vor Beginn der Sanierungsarbeiten fand man im Inneren Spuren von Wandmalereien (Renaissance?) Am Florinsmarkt und in der Gemüsegasse wurde die Fassade
so gestaltet, dass sie der des Vorgängerbaus entspricht. Einige Tür- und Fenstergewände aus Naturstein stammen vom alten Haus.
Konstruktion: Massivbau mit Putzfassade.
Konstruktion des historischen Baus: Der Keller (rundbogige Tonne) war aus Bruchstein hergestellt worden. Die am Florinsmarkt und in der Gemüsegasse gelegenen Fassaden waren massiv (Stärke = 50–75 cm). Die Wand zum Nachbarhaus Florinsmarkt 10 sowie die Innenwände bestanden aus ausgemauertem und verputztem Fachwerk.
Decken im historischen Bau: Im Keller Gewölbedecke aus Bruchstein, in den Geschossen Holzbalkendecken mit Einschüben und Füllungen.
Kurzbeschreibung des heutigen Hauses: Viergeschossiges Gebäude an der Ecke Gemüsegasse/ Florinsmarkt mit Walmdach. Das Wohn- und Geschäftshaus bildet heute eine bauliche Einheit mit dem Nachbarhaus Florinsmarkt 10. Es hat auf der Seite des Florinsmarktes zwei, auf der Seite der Gemüsegasse vier Achsen. In dem in dieser Straße gelegenen Abschnitt haben die beiden mittleren Achsen gekuppelte Fensterpaare. Über allen Fenstern befinden sich auf Konsolen ruhende, horizontal verlaufende Verdachungen im Sinne der Neorenaissance. Die Fassade wird oberhalb des Erdgeschosses und über dem dritten Obergeschoss durch Gesimse gegliedert. Ein Traufgesims setzt den Dachbereich mit drei Dachhäuschen (Gemüsegasse) optisch von den anderen Etagen ab. Dem neu gestalteten Innenhof zwischen Gemüse- und Mehlgasse ist eine dreigeschossige neue Balkonanlage zugewandt.
Die nachfolgenden Maßangaben beziehen sich auf den Zustand vor der Sanierung.
Geschossflächen:
• Erdgeschoss bis einschließlich Dachgeschoss je 111,09 qm;
• Dach (Boden 61,73 qm).
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 57,68 qm;
• 1. Obergeschoss 65,57 qm;
• 2. Obergeschoss: 64,61 qm;
• 3. Obergeschoss 66,84 qm;
• Dachgeschoss 59,56 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 4,25 m;
• Erdgeschoss 3,60 m;
• 1. Obergeschoss 3,33 m;
• 2. Obergeschoss 3,24 m;
• 3. Obergeschoss 3,06 m;
• Dachgeschoss 2,50 m;
• Dach 2,30 m.
Bemerkung: Ähnlich wie beim Haus Gemüsegasse 8 zeigen Fensterverdachungen und Gesimsgliederung den Übergang vom Spätklassizismus zur Neorenaissance.
Quellen: Hausakten der Sanierungsstelle; Michel, Kunstdenkmäler, S. 264; StAK, Fach 23.
Florinsmarkt 9
Alte Hausnummer: 79a
Geschichte: Der Kern des ehemals zum Bürresheimer Hof gehörenden Hauses datiert in das 18. Jahrhundert. Das Gebäude befand sich lange Zeit im Besitz der Schultheis-Brauerei. Diese ließ den bis zur ehemaligen moselseitigen Stadtmauer reichenden Seitenflügel mehrfach verändern. Im Krieg wurde besonders der am Florinsmarkt gelegene Bau schwer beschädigt. Die Zerstörungen betrafen vor allem den Dachbereich.
Konstruktion: Massivbau mit Putzfassade. Beschreibung: Traufständiges, dreigeschossiges und fünfachsiges Gebäude. Das Wohn- und Geschäftshaus hat ein flaches Pultdach (zum Florinsmarkt abfallend). Die Fassade ist durch einen Basaltsockel und oberhalb des Erdgeschosses, durch ein schwach vorkragendes, halbrundes Sfbckgesims gegliedert. Der Eingang befindet sich links. Auf der rechten Seite liegt eine Hofdurchfahrt mit flachem Dreieckssturz. Beide Eingänge haben profilierte Basaltgewände. Auch die Rechteckfenster in den Obergeschossen werden durch Basaltgewände betont.
Quellen: Michel, Kunstdenkmäler, S. 164-170; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Fach 23.
Florinsmarkt 10
Alte Hausnummer: 100
Grundstücksgröße: 133 qm
Bebaute Fläche: 91 qm + ca. 16 qm (Nebengebäude).
Die Häuser (von links) Florinsmarkt 10, 8 und 6 im Dezember 2009.
Geschichte: Das viergeschossige und dreiachsige Haus stand auf einem tonnengewölbten Keller, dessen Achse parallel zum Florinsmarkt verlief. Das Gebäude wurde im Zuge der Altstadtsanierung vollständig abgebrochen (1982-1984). Wegen der zahlreichen baulichen Veränderungen ist eine Datierung des Objektes nur schwer möglich. Sicher ist, dass das Gebäude in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgestockt und umgebaut wurde. Der heutige Bau orientiert sich an historischen Vorbildern. Er bildet eine Einheit mit dem Nachbargebäude Florinsmarkt 8. In die Gewände des auf der rechten Seite befindlichen Restauranteinganges wurden wahrscheinlich noch mittelalterliche Werksteine eingebaut.
Konstruktion: Massivbau mit Putzfassade.
Konstruktion des historischen Baus: Der Keller im Vorderhaus wurde aus Bruchstein hergestellt (über den heute ebenfalls nicht mehr bestehenden Keller im Seitenflügel enthalten die Bestandsaufnahmen keine näheren Angaben). Das Gebäude war vom Erdgeschoss bis einschließlich zweiten Obergeschoss massiv (Stärke = 45–85 cm). Das dritte Geschoss stellte man aus beidseitig verputztem und ausgemauertem Fachwerk her.
Decken im historischen Bau: Im Keller Gewölbe (Flachtonne) aus Bruchstein, in den Geschossen Holzbalkendecken mit Einschüben und Füllungen.
Kurzbeschreibung des Neubaus: Traufständiges, viergeschossiges und dreiachsiges Wohn- und Geschäftshaus (Gaststätte), dessen Giebel so breit wie die gesamte Straßenfront ist. Links neben dem Restauranteingang befinden sich drei eng aneinander liegende Fenster. Zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Obergeschoss ist die Fassade durch ein Sohlbankgesims gegliedert. In den Obergeschossen befinden sich jeweils vier Fenster mit Putzrahmung, die paarweise zusammengefasst sind.
Beschreibung laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Dreistöckiges, massives Wohnhaus.
Die nachfolgenden Maßangaben beziehen sich auf den Zustand vor der Sanierung.
Geschossflächen:
• Erdgeschoss 91 qm;
• 1. bis einschließlich 3. Obergeschoss 89 qm.
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 71,41 qm;
• 1. und 2. Obergeschoss 74,38 qm;
• Dachgeschoss 66,16 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 4,20 m;
• Erdgeschoss 3,50 m;
• 1. Obergeschoss 2,98 m;
• 2. Obergeschoss 2,80 m;
• 3. Obergeschoss 3,20 m;
• Dach 3,80 m.
Grundriss (vor der Sanierung): Typ 4.
Quellen: Hausakten der Sanierungsstelle; Michel, Kunstdenkmäler, S. 264, StAK, Best. 623, Nr. 2045, Blatt 6; StAK, Fach 23; StAK, Best. 623, Nr. 9376: Instandsetzung des Dachgeschosses wegen Feuchtigkeitsschäden (1925–1939).
Florinsmarkt 11/13
Bürresheimer Hof
Alte Hausnummer: 79b
Der Bürresheimer Hof (Florinsmarkt 13) im Dezember 2009.
Siehe: Michel, Kunstdenkmäler, S. 164-170; Denkmaltopographie Koblenz-Innenstadt, S. 130–132.
Die Gebäude (von rechts) Florinsmarkt 13, 11 und 9 im Dezember 2009.
Florinsmarkt 12
Alte Hausnummer: 99
Grundstücksgröße: 190 qm (mit Mehlgasse 19)
Die Häuser (von links) Florinsmarkt 12, 10 und 8 im Dezember 2009.
Geschichte: Die Bauphasen des Hauses datieren wahrscheinlich in das 18. und in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der ursprünglich von einer Segmentbogentonne überspannte Keller (er ist heute durchgängig mit flachen Decken versehen) erfuhr eine nachträgliche Unterteilung in zwei Tiefgeschosse. Die Anlage diente als Wein-, später als Luftschutzkeller. Durch den Innenhof des Gebäudes konnte man das schmale Nachbarhaus Mehlgasse 19 erreichen (vgl. Mehlgasse 19). Der gesamte Bau wurde bei der Altstadtsanierung einschließlich des ersten Kellergeschosses abgebrochen. Anschließend erfolgte der Wiederaufbau (1981/82). Die historische Fassade blieb erhalten.
Konstruktion: Der Keller wurde aus Bruchstein hergestellt. Ein Teil des Brandgiebels am Nachbarhaus Florinsmarkt 10 und die straßenseitig gelegenen Fassaden des Gebäudes waren vom Erdgeschoss bis einschließlich dritten Obergeschoss massiv. Seit Abschluss der Sanierung sind alle Wände des Gebäudes massiv ausgeführt. Decken: Vor der Sanierung besaßen das erste Kellergeschoss ein Gewölbe aus Bruchstein (Segmentbogentonne), die zweite Ebene eine Flachdecke. In den anderen Etagen befanden sich Holzbalkendecken mit Einschüben und Füllungen.
Beschreibung: Spätklassizistisches viergeschossiges Gebäude an der Ecke Florinsmarkt/Mehl-gasse. Das Wohn- und Geschäftshaus hat an seiner Seite zum Florinsmarkt fünf, in Richtung Mehlgasse drei Achsen. Auch dieser mit einem Walmdach und sechs Dachhäuschen versehene Bau wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Aufstockung (wahrscheinlich im Jahre 1873) stark verändert. Hinweis auf diese Erhöhung sind auch die Fensterhöhen. Sie nehmen vom ersten bis zum dritten Obergeschoss ab. Die Fassade ist durch einen Putzsockel, Sohlbankgesimse sowie durch ein auskragendes, auf Konsolen ruhendes Traufgesims gegliedert. Im Erdgeschoss befinden sich zwei Eingänge. Die viereckigen Fenster sind mit Putzrahmungen versehen. Im ersten und zweiten Obergeschoss wurden gusseiserne Brüstungsgitter mit Rankenwerk montiert.
Die nachfolgenden Maße beziehen sich auf den Zustand vor der Sanierung
Geschossflächen:
• Erdgeschoss (einschließlich Innenhof und Erdgeschoss des Hauses Mehlgasse 19) 190 qm;
• 1. Obergeschoss 105 qm;
• 2. und 3. Obergeschoss ca. 98 qm.
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 108,83 qm (einschließlich Mehlgasse 19);
• 1. Obergeschoss 74,81;
• 2. und 3. Obergeschoss 72,98 qm;
• Dachgeschoss 60,54 qm.
Geschosshöhen:
• Keller (nicht aufgemessen);
• Erdgeschoss 3,57 m;
• 1. und 2. Obergeschoss 3,78 m;
• 3. Obergeschoss 3,06 m;
• Dachgeschoss 2,28 m;
• Dach 2,20 m.
Bemerkung: Das Haus gehört zu denjenigen Bauten in der Altstadt, die um 1850 aufgestockt und umgestaltet wurden. Auffälligster Hinweis auf klassizistische Gestaltungsweisen war vor der Sanierung das auf mehreren Konsolen ruhende Traufgesims.
Quellen: Hausakten der Sanierungsstelle; Akten der Unteren Denkmalschutzbehörde; StAK, Fach 23; StAK, Best. 623, Nr. 8985 (Neuordnung der Baufluchten am Florinsmarkt).
Florinsmarkt 14
Vereinigt mit Mehlgasse 22
Alte Hausnummern: 101 und 102
Grundstücksgröße: 217 qm
Bebaute Fläche: 178,64 qm
Die Häuser (von rechts) Florinsmarkt 14, 16 und 18 im Dezember 2009.
Geschichte: Die urkundliche Erwähnung des Gebäudes reicht bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zurück. Das Kellersystem lässt auf eine noch frühere Entstehungszeit schließen. Wahrscheinlich steht der Hausname „Fraueneck” mit der sich ehemals in einer in die Fassade eingebauten Nische befindlichen Madonnenfigur in Verbindung. Der Volksmund nennt einen weniger heiligen Ursprung des Hausnamens: Der mündlichen Überlieferung zufolge befand sich Anfang des 16. Jahrhunderts an dieser Stelle ein Frauenhaus (= Bordell). Fest steht, dass es sich bei dem Komplex um das Geburtshaus des kaiserlichen Ministers Aloys von Hügel handelt. Zwischen 1769 und 1783 war das Haus Sitz der Lottoadministration.
Konstruktion: Die mit Flachtonnen versehenen Kellergewölbe wurden aus Bruchstein gebaut. Die Außenmauern der Straßenfront waren massiv und bestanden teilweise aus Bruchstein. Die restlichen Außen- und Innenwände hatte man aus ausgemauertem, beidseitig verputztem Fachwerk hergestellt. Seit Abschluss der Sanierungsmaßnahmen sind alle Wände massiv ausgeführt.
Decken: Im Keller Gewölbedecken aus Bruchstein, in den Geschossen Holzbalkendecken mit Einschüben und Füllungen (vor der Sanierung).
Beschreibung: Fünfgeschossiges, am Florinsmarkt und in der Mehlgasse jeweils vier achsiges Eckhaus, das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nachträglich aufgestockt, mit einem kleinen Turmaufbau versehen und mit dem Nachbarhaus Mehlgasse 22 vereinigt wurde. Die Obergeschosse sind durch Sohlbankgesimse, der Dachbereich (Satteldach) durch ein auf mehreren Konsolen ruhendes Traufgesims optisch voneinander getrennt. Vom Erdgeschoss bis einschließlich drittes Obergeschoss ist das Haus mit Rechteckfenstern versehen, die durch profilierte Gewände betont werden. In den Obergeschossen wurden oberhalb der Fenster Stuckornamente mit Pflanzen- und Frauenkopfmotiven angebracht. Im ersten und zweiten Obergeschoss befinden sich zusätzlich einfache, horizontal verlaufende Fensterverdachungen. Im Halbgeschoss über dem dritten Obergeschoss sind Rundfenster und Fenstergitter mit „gotischem” Maßwerk zu erkennen. In den beiden durch Stock- und Traufgesims gegliederten Turmgeschossen fallen jeweils vier gekuppelte Rundbogenfenster (ein Renaissancemotiv!) auf. Im Inneren des Gebäudes stellte man vor Beginn der Sanierung fest, dass eine stuckierte Decke im mittleren großen Raum des ersten Obergeschosses eine ältere Stuckdecke überlagerte.
Im Zuge der Altstadtsanierung wurde das Haus entkernt, Bemühungen um die Erhaltung dieser Decke scheiterten. Die ehemals im Eingangsbereich des Erdgeschosses vorhandene stuckierte Decke existiert heute ebenfalls nicht mehr.
Beschreibung (Florinsmarkt 14) laut Brandversicherungskataster (1821–1834): Dreigeschossiges Wohnhaus, vorne massiv, hinten ein Stockwerk aus Stein, zwei Etagen aus Holz. Zweistök-kiges Hinterhaus aus Holz, Einstöckiges Hinterhaus aus Holz.
Beschreibung (Mehlgasse 22) laut Brandversicherungskataster (1823–1834): Dreigeschossiges Wohnhaus, vorne massiv, hinten ein Stockwerk aus Stein, zwei Etagen aus Holz.
Die nachfolgenden Maße beziehen sich auf den Zustand vor der Sanierung.
Geschossflächen:
• Erdgeschoss bis einschließlich 4. Obergeschoss jeweils 178,64 qm;
• Dachgeschoss 160,35 qm.
Wohnflächen:
• Erdgeschoss 43,19 qm;
• 1. und 2. Obergeschoss 139,41 qm;
• 3. Obergeschoss 143,63 qm;
• 4. Obergeschoss 148,99 qm;
• Dachgeschoss 70,09 qm.
Geschosshöhen:
• Keller 3,96 m;
• Erdgeschoss 3,42 m;
• 1. Obergeschoss 3,78 m;
• 2. Obergeschoss 3,00 m;
• 3. Obergeschoss 2,95 m;
• 4. Obergeschoss 2,70 m;
• Dachgeschoss 2,36 m;
• Dach 3,50 m.
Quellen: Stramberg, Coblenz, Bd. 4) S. 319; Michel, Kunstdenkmäler, S. 264; Hausakten der Sanierung s stelle; StAK, Best. 623, Nr. 2045, Blatt 38 und 68; Meisterwerke, S. 77.

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